Flyer Uni Bielefeld Juni 2013

Alle sind gegen Rassismus – was tun AStA und Stupa der Uni Bielefeld?

Konflikte um rassistische Vorfälle auf dem festival contre le racisme 2012 eskalieren nach Nicht-Stellungnahme des AStA und skandalöser StuPa Sitzung

Das festival contre le racisme 2013 ist gerade zu Ende gegangen. Die Diskussion um das letzte fclr 2012 halten noch immer an. Auf der Stupa-Sitzung am 06.06.2013 kam es erneut zur Eskalation.

Zum Hintergrund:

Auf einer Veranstaltung am 05. Juni 2012, die im Rahmen des festival contre le racisme 2012 statt gefunden hat, kam es zu einem massiven rassistischen Vorfall. Der eingeladene Referent Freerk Huisken verwendete in offener „Provokation“ eine Vielzahl rassistischer, gewaltsamer Begriffe und Schimpfwörter, und wischte auch die hieran anschließende Kritik beiseite. Dies, obwohl es bereits vor Beginn des festivals mit dem festival-Team eine Diskussion über den rassistischen Gehalt zweier Veranstaltungen gegeben hatte.[1]

Daraufhin schickten mehrere Studierende Kritik an den Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) als Ausrichter des festivals und forderten eine öffentliche Stellungnahme. Hierauf wurde bis heute nicht eingegangen. Daher sah die Liste :uniLinks! sich veranlasst über das Studierendenparlament (Stupa) eine öffentliche Stellungnahme einzufordern.

Das fclr wird offziell vom AStA der Uni Bielefeld finanziert und hauptverantwortlich ausgetragen. Die inhaltliche Planung übernimmt eine Organisationsgruppe, die eng an den Strukturen des AStA angegliedert ist. Letztendlich segnet der AStA die Gestaltung des fclr ab und stemmt es ebenso finanziell wie infrastrukturell. Damit ist der AStA verantwortlich für die Veranstaltungen und Vorfälle und sollte sich zu diesen verhalten.

Der AStA verweigert die Stellungnahme zu rassistischen Vorfällen in einer von ihm veranstalteten Veranstaltung. Er sei nicht verantwortlich – für die von ihm veranstaltete Veranstaltung.

Gleichzeitig ist er sich nicht zu schade sich im „Kampf gegen Rassismus“ zu verorten.

Hier das Ganze noch mal zusammengefasst und in chronologischer Reihenfolge:

  1. Auf einer vom AStA veranstalteten Veranstaltung im Rahmen des fclr 2012 kommt es zu rassistischen Vorfällen. Der AStA versäumt es sich selbst kritisch dazu zu verhalten. Im Gegenteil wird die Veranstaltung von einem Kultur-Referenten des AStA während eines Interviews zum fclr 2012 auf Hertz 87.9 als gelungen beschrieben.
  1. Auf folgende Kritik aus der Studierendenschaft wird nicht reagiert. Es gibt nicht einmal eine Antwort auf die Schreiben. Ein halbes Jahr später gibt es ein Reflexionstreffen, Anregungen hieraus werden in der Vorbereitung des diesjährigen fclr aufgenommen, worauf sich der AStA nun beruft. Die geforderte öffentliche Stellungnahme zum Vorgefallenen erfolgte bis heute nicht.
  2. Noch ein halbes Jahr später stellt daher die Liste :uniLinks! eine Anfrage an den AStA, fordert ihn zu einer öffentlichen Stellungnahme zu den rassistischen Vorfällen auf (siehe Anfrage :uniLinks! Vom 02.05.2013).
  3. Der AStA kann sich zu keiner Stellungnahme durchringen. Im gleichen Moment erklärt er: Er ist gar nicht verantwortlich für das von ihm veranstaltete Festival.  … (siehe „Stellungnahme“)
  4. Selbst wenn diese Leugnung von Verantwortung hingenommen würde, bleibt es inakzeptabel, wenn sich die Studierendenvertretung nicht kritisch zu rassistischen Vorfällen in der Uni verhält, auf Beschwerden nicht reagiert, bis heute eine Stellungnahme verweigert.
  5. Sich nun in der Erklärung dieser Verweigerung abschließend im „Kampf gegen Rassismus“ zu verorten spricht angesichts des Vorangegangen eben diesem bloßen Hohn.
  6. Dieses Aussitzen sollte in der letzten Stupa-Sitzung fortgesetzt werden als AStA-Vertreter_innen halb belustigt, gänzlich abfällig erklärten, die Kritik sei „zum Heulen“, nicht nachvollziehbar, es sei nicht benannt worden, was das Problem sei. Schlicht die Unwahrheit angesichts der ausführlichen Kritiken, Gespräche und Reflexionstreffen, die es gegeben hat.
  7. Diesem peinlichen Vorgang wurde im weiteren Verlauf die Krone aufgesetzt, als ein Parlamentarier seinerseits das ganze vorliegende Problem gewaltsamer Sprache schlicht ignorierte und die rassistische Bezeichnung einfach aussprach.
  8. Eine Verurteilung dieses Vorfalls durch das Stupa blieb aus, obwohl auf die Möglichkeit hingewiesen wurde, stattdessen wurde danach zur Tagesordnung übergegangen. Anwesende sprachen an, was gerade passiert: Alltagsrassismus, Lachen und Kichern, Weggucken und Schweigen, Verweigern und Aussitzen von Kritik.

Für den Kampf gegen Rassismus reicht es nicht, sich dagegen zu bekennen. Rassismus durchdringt die ganze Gesellschaft, jede_r ist drin, keine_r kann sich rausnehmen. Vor allem jedoch diejenigen, die davon profitieren – d.h. insbesondere weiß/deutsch-positionierte Menschen – sind gefordert sich selbstkritisch damit auseinander zu setzen, sich zu verorten und zu hinterfragen.

Daher fordern wir hiermit das Stupa auf:

  • kritisch zu dem rassistischen Vorfall in der vergangenen Sitzung Stellung zu nehmen,
  • sich damit auseinander zu setzen, wie in Zukunft rassistische Bezeichnungen vermieden werden können,
  • den AStA mit einer öffentlichen Stellungnahme zu den rassistischen Vorfällen im Rahmen des fclr 2012 zu beauftragen.

[Anfrage der Liste :uniLinks!: auf der Stupa-Sitzung am 02.05.2013]

“Im Zuge des festivals contre le racisme an der Uni Bielefeld im Juni 2012 forderten mindestens zwei Studierende eine Stellungnahme vom AStA bezüglich rassistischer Vorfälle auf verschiedenen fclr Veranstaltungen. Diese Vorfälle waren von den Oranisator_innen weder unterbunden, noch kritisch kommentiert worden.  Ein verantwortlicher Veranstalter (auch Referent des AStA) lobte die besagten Veranstaltungen gar im Rückblick auf das Festival auf Hertz 87.9 als außerordentlich gelungen. Auch wenn das damalige AStA-Team nicht alleinig für die inhaltliche Gestaltung des fclr verantwortlich gemacht werden kann, ist es doch offizieller Ausrichter des Festivals und deshalb auch für die inhaltliche Gestaltung mitverantwortlich.

Da es bislang – trotz mehrmaliger Nachfragen – niemand im AStA Team geschafft hat, den beiden Studierenden überhaupt eine Rückmeldung zu geben, sahen sich mehrere Studierende gezwungen, sich aus den Vorbereitungen und Planungsrunden für das diesjährige fclr zurückzuziehen. Aus Sicht von unilinks kann es auf Grundlage dieses verantwortungslosen Umgangs des AStA mit den von ihnen unterstützten Großveranstaltungen kein „einfach weiter so…“ geben!

Aufgrund der Funktion des AStA in der Verfassten Studierendenschaft, sehen wir den AStA in der Pflicht, auf kritische Rückfragen von Studierenden zu antworten und zu Vorfällen (hier: rassistischen Vorfällen) auf Univeranstaltungen und insbesondere vom AStA mitgetragenen Veranstaltungen Stellung zu nehmen.

Wir fordern den AStA daher nachdrücklich dazu auf, zeitnah eine öffentliche Stellungnahme zu den oben genannten Vorfällen zu verfassen.”

[Veröffentlicht auf der Stupa-Sitzung am 06.06.2013]

“Stellungnahme des AStA zur Anfrage von Unilinks!

Der AStA der Uni Bielefeld nimmt zur Kritik am Festival contre le racisme 2012 wie folgt Stellung:
Zunächst muss vorab gesagt werden, dass der momentan bestehende AStA zu keiner einheitlichen Meinung zu diesem Thema gekommen ist und kommen kann.

Vor diesem Hintergrund ist das Folgende zu lesen und zu verstehen. Das festival contre le racisme ist eine von verschiedenen inner- und außeruniversitäre Initiativen und Einzelpersonen organisierte Veranstaltungsreihe.
Der AStA der Uni Bielefeld tritt als ein Veranstalter des festivals auf, wickelt der Studierendenschaft daraus entstehende finanzielle Verpflichtungen ab und hilft den Organisator_innen bei der Raumbeschaffung, Werbung und weiterem.
Der AStA der Uni Bielefeld übt keine politisch-inhaltliche Kontrolle über das festival contre le racisme und geplante Veranstaltungen aus. Das war bislang weder von den Organisator_innen des festivals, noch vom AStA gewünscht. Diese Auffassung gilt noch immer.
Die Organisationsgruppe des festivals entscheidet selbst, welche Veranstaltungen sie machen möchte und stellt dem AStA am Ende der Planungen ihr Programm vor. Im Vorfeld der Organisation des diesjährigen festivals hat eine ausführliche Auseinandersetzung zwischen Kritiker_innen und den Organisator_innen des letzten festivals stattgefunden und die Ergebnisse wurden im Planungsprozess des festivals contre le racisme 2013 sichtbar.

Der AStA stellt sich weiterhin hinter die Organisator_innen die das fclr zu einer erfolgreichen Veranstaltungsreihe im Kampf gegen Rassismus aufbauen.”

Ak Rassismuskritik (Menschen aus dem Umfeld der Antira AG, Antifa AG und move and resist!)


[1] Auszüge aus einer kritischen Stellungnahme zur Verwendung rassistischer Sprache und Bilder im

Festival-Programmheft 2012 sind zur Dokumentation der Geschehnisse auf unserem Blog veröffentlicht:

https://akrassismuskritik.wordpress.com/n-wort-debatte-an-der-uni-bielefeld/

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